Die schonungslose Offenbarung eines Bundesliga-Schiedsrichters

#1 von Dennis , 23.02.2010 10:12

BILD-Interview mit Schiri Kempter

„Amerell küsste mich auf den Mund“

Von JULIAN REICHELT und CHRISTIAN KITSCH
23.02.2010 - 06:41 UHR

Die schonungslose Offenbarung eines Bundesliga-Schiedsrichters. Michael Kempter (27) wurde vom inzwischen zurückgetretenen Ex-Schiri-Sprecher Manfred Amerell (62) angeblich sexuell belästigt. Jetzt spricht Kempter zum ersten Mal über den Sex-Skandal.

BILD traf Michael Kempter in einem Frankfurter Hotel.

BILD: Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt?

Kempter: „Das war alles nicht sehr schön. Das ist mir alles sicher nicht leicht gefallen. Ich musste mich einfach von dieser Last befreien. Es ist eine Erleichterung, dass ich mich zu diesem Schritt entschieden habe.“

BILD: Wer hat Ihnen Kraft gegeben?

Kempter: „Die engsten Freunde sind in solchen Situationen sehr wichtig. Und ich wusste, dass mich der DFB nicht alleine lässt. Ich konnte mich Volker Roth anvertrauen. Und auch Dr. Theo Zwanziger hat mich sehr unterstützt und die Sachen so schnell und lückenlos wie möglich aufgedeckt.“

BILD: Wie lief der Tag, an dem Sie sich Schiri-Chef Roth offenbart haben?

Kempter: „Ich hatte ihn telefonisch um einen Termin gebeten. Noch in der selben Woche am 17. Dezember um 11 Uhr habe ich mich mit ihm getroffen. Ich habe ihm gesagt, dass es um ein ernstes und bitteres Thema geht. Ihm die Vorfälle mit Herrn Amerell geschildert.“

BILD: Was genau ist denn vorgefallen?

Kempter: „Es war ein schleichender Prozess. Herr Amerell hat über Jahre hinweg Vertrauen geschaffen, und dann ging es irgendwann los, verstärkt in den letzten zwei Jahren. Erst nur mit Hand auflegen auf den Oberschenkeln – und dann wanderte die Hand immer weiter, in die Hose, in den Genitalbereich. Als die Hand in meine Hose ging, habe ich gedacht, „Was soll ich jetzt machen?“ Ich wollte nicht, aber er hat nicht aufgehört.“

BILD: Wo sind diese Dinge geschehen?

Kempter: „Im Auto, auf der Fahrt von einem Spiel zum Hotel und im Hotelzimmer nach einem Spiel.“

BILD: War da noch mehr?

Kempter: „Herr Amerell hat mich auch auf den Mund geküsst. Ich habe mich abgewendet, ihm deutlich signalisiert, dass ich das nicht will. Manchmal hat er nachts an meine Hotelzimmertür geklopft. Da habe ich schon nicht mehr aufgemacht. Am nächsten Morgen beim Frühstück war er beleidigt. Herr Amerell hat auf Ablehnung sehr giftig reagiert.“

BILD: Aber Geschlechtsverkehr gab es nicht?

Kempter: „Nein, das wäre ja noch schlimmer.“

BILD: Über wie viele Vorfälle reden wir?

Kempter: „Drei Vorfälle.“

BILD: Warum haben Sie so lange geschwiegen?

Kempter: „Ich hatte einfach Angst um meine Karriere als Schiedsrichter. Und ich habe mich geschämt. Ich habe versucht es zu verdrängen, aber es kam immer wieder hoch. Und als ich gemerkt habe, dass es noch mehrere Fälle gibt, habe ich mich durchgerungen etwas zu sagen. Ich wollte damit auch andere, jüngere Schiedsrichter schützen. „Darf ich Dich ‚Mein Schatz’ nennen?“, hat er zum Beispiel einen anderen Schiri gefragt. Da sind bei mir die Alarmglocken angegangen.“

BILD: Sie haben die Vorwürfe erhoben, als Sie zum Fifa-Schiri ernannt wurden.

Kempter: „Die Ernennung zum Fifa-Schiedsrichter war nicht entscheidend. Vielmehr habe ich Informationen bekommen, dass anderen Schiedsrichtern ähnliches passiert. Er hat seine Macht ausgenutzt und mir gedroht. Er sagte mir, das könnte für mich Auswirkungen auf meine Ansetzungen als Schiedsrichter haben.“

BILD: Herr Amerell hat eine SMS von Ihnen veröffentlicht, die schon nach einer sehr innigen Beziehung klang.

Kempter: Ach, ich wollte einfach noch mal versuchen, die Sache mit ihm direkt zu klären. Aber das hat nicht geklappt.

BILD: Herr Amerell hat wegen der Vorwürfe sogar öffentlich über Selbstmord gesprochen.

Kempter: „Allein der Gedanke schockiert mich. So etwas darf nicht passieren. Ich habe aber bloß die Fakten aufgedeckt, mehr nicht. Was soll ich tun?“

BILD: Wie haben Ihre Eltern reagiert?

Kempter: „Es war sehr schwer, das meinen Eltern zu erzählen. Für sie bricht ja eine Welt zusammen. Sie wissen, ihr Sohn geht einem Hobby nach. Denken, ihr Sohn ist in guten Händen, und dann stellt sich so was raus. Sie waren erschüttert und haben geheult. Dann sprachen sie mir Mut zu.“

BILD: Homosexualität ist ein Tabu im Fußball. Sind Sie schwul, Herr Kempter?

Kempter: „Nein, bin ich nicht. Und wir haben auch niemals eine Affäre gehabt. Was jemand in den eigenen vier Wänden macht, sollte grundsätzlich seine Privatsache sein. Es geht doch nur darum, ob jemand ein Abhängigkeitsverhältnis gegen den Willen anderer für seine Interessen ausnutzt.

BILD: Trotzdem könnten Fans in Stadien Sie anfeinden. Haben Sie Angst?

Kempter: „Nein. Ich habe doch nur die Wahrheit gesagt. Ich bin kein Täter, ich war das Opfer. Ich wollte diese Vorfälle nicht weiter verheimlichen und hoffe, dass die Fans das anerkennen. Ich habe die schwierigste und wichtigste Entscheidung in meiner Schiedsrichterlaufbahn getroffen. Ich glaube, es ist Zeit für Herrn Amerell, dass er sich zur Wahrheit bekennt.“

BILD: Werden Sie strafrechtliche Schritte gegen Herrn Amerell einleiten?

Kempter: „Das prüfen wir zur Zeit.“

http://www.bild.de/BILD/sport/fussball/2...f-den-mund.html

 
Dennis
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zuletzt bearbeitet 23.02.2010 | Top

   

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