Die Mechanismen des Mobbing und wie man sich davor schützen kann

#1 von Dennis , 18.01.2012 13:48

17.01.2012 Artikel senden | Drucken |
Die Mechanismen des Mobbing und wie man sich davor schützen kann
Siegfried Hoffmann

So, wie der Körper eines jeden Menschen vom Augenblick der Geburt an von Myriaden von Krankheitserregern umschwirrt wird, so steht die menschliche Seele ebenfalls unter ständigem Beschuss von unguten Geisteseinflüssen. Diese gehen vom Negativen aus: von Neidern, Missgünstigen, Machtgierigen und Besserwissern; diese Vertreter kommen mindestens so häufig vor, wie die Bakterien und Viren. Jene Mitmenschen, die mit solchen üblen Ausstrahlungen die geistige Umwelt belasten, verhindern sich und ihr Glück selbst- und ebenso das Wohlergehen der anderen: durch geistige Trägheit, Dummheit und versteinertes Denken. Anstatt die Zügel ihres Lebens selbst in die Hand zu nehmen, zielen sie lieber darauf ab, die Aktiveren in ein schlechtes Licht zu rücken, zu diffamieren und zu verleumden, nur, damit sie selber sich besser fühlen können. So geht Mobbing.





Zu welch üblen Auswirkungen Mobbing führen kann, sei dargestellt am Beispiel Tamara Lebedeva. Frau Lebedeva ist Chemikerin mit hochkarätiger Kompetenz. In den 1970er-Jahren war sie in jeweils leitender Position an den damals drei wichtigsten Wissenschaftszentren der Sowjetunion tätig; in Novosibirsk, Leningrad (St. Petersburg) und Moskau. Dann kam es in ihrem Familienclan zu einer




Serie von Schicksalsschlägen. Ein Familienmitglied nach dem anderen starb durch Krebs. Das kam so gehäuft vor, dass sich Frau Lebedeva fragen musste, wann denn die Reihe wohl an ihr sei.

Daraufhin setzte sie sich ans Mikroskop und begann mit eigener Krebsforschung im Alleingang. Dabei entdeckte sie etwas, das für die gesamte Menschheit so segensreich hätte werden können, wie es für sie selbst zum Fluch wurde: Eher zufällig fiel ihr auf, dass die Trichomonade, ein seit etwa hundert Jahren bekanntes einzelliges Geißeltierchen, fähig ist, seine Körperform beliebig zu verändern. Und zwar so , dass sie bis aufs Haar einer Krebszelle gleicht. Ein in der Ökologie bis dahin völlig unbekanntes Phänomen. Als die Forscherin Lebedeva mit aus Krebsgeschwulst entnommenen Zellen die Gegenprobe machte, entpuppten sich diese angeblichen Krebszellen ausnahmslos als Trichomonaden.

Im Klartext: Tamara Lebedeva hatte entdeckt, dass die Krebszelle kein unüberwindlicher Todesengel, sondern nur ein hundsgewöhnlicher Parasit ist, dem obendrein auch noch hocheffizient mit gewöhnlichen Metronidazol-Präparaten beizukommen ist. Im Vergleich zu hochgiftiger Chemotherapie ist Metronidazol sogar noch nebenwirkungsarm und kostet nur ein paar Euro fünfzig.

Nun ist Tamara Lebedeva Chemikerin und keine Ärztin. So legte sie ihre Ergebnisse der onkologischen Fachwelt mit der Bitte um Überprüfung vor, und mit diesem Schritt zog sie ein Mobbing auf sich, an dem sie fast zerbrochen wäre. Als Erstes hatte sie mit anzusehen, wie ihre ganze jahrelange Forschungsarbeit unbesehen und ungeprüft in Bausch und Bogen verdammt wurde und im Papierkorb endete. Als Nächstes wurde sie ihrer leitenden Position enthoben und schließlich verlor sie Arbeit und Einkommen. Und das bei Hunderttausenden Krebstoten pro Jahr, allein in Deutschland. So weit geht Mobbing.

Als ich Frau Lebedeva persönlich kennenlernte, war sie gerade dabei, sich eine neue Existenz als Buchautorin aufzubauen. Inzwischen ist sie erfolgreich damit. Sie hat sich also gefangen. Andere sind am Mobbing jedoch schon zerbrochen. Ignaz Semmelweis: Der Arzt hatte den Erreger des tödlichen Kindbettfiebers entdeckt, das Mitte des 19. Jahrhunderts unter den Wöchnerinnen und ihren Säuglingen abertausend Opfer gefordert hatte. Dieses wurde, so hatte er herausgefunden, durch nichts anderes übertragen, als durch die ungewaschenen Hände des Ärzte- und Geburtshilfepersonals. Semmerlweis ordnete an, dass in seiner Klinik der Kreißsaal nur betreten werden durfte, wenn zuvor die Hände in Carbollösung gewaschen worden waren. Mit dem Ergebnis, dass in seiner Frauenklinik innerhalb weniger Monate die Sterberate durch Kindbettfieber auf Null gesunken war. Doch dreien seiner Arztkollegen gelang es, gegen Semmelweis kurzerhand eine Zwangseinweisung in eine Irrenanstalt zu erwirken, in der er nach nur zwei Wochen nach seiner Einlieferung unter mysteriösen Umständen starb. Ein übles Mobbing, ausgelöst durch noch üblere, missgünstige Zeitgenossen und welche Industrieinteressen wohl noch alles.

Dennoch sind wir solch unappetitlichen Charakteren nicht so wehrlos ausgeliefert, wie es manchmal scheint. Ein unkonventionelles Beispiel könnte für viele andere stehen: Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Was heute nur noch wenige wissen: Als 1962 eine schwere Sturmflut die ganze Nordseeküste bedrohte, war Helmut Schmidt nur ein kleiner, unbekannter Lokalpolitiker. Trotzdem gelang es ihm, sich über alle bürokratische Starrköpfigkeit und juristische Dummheit hinwegzusetzen und mit mutigen und unkonventionellen Schritten für Hunderttausende, die anders wahrscheinlich ertrunken wären, die Rettung herbeizuführen. Bis heute ist Helmut Schmidt ein angesehener Mann in Deutschland, obwohl er öffentlich raucht und zuweilen großen Unsinn redet.

Was ist der Unterschied zwischen Helmut Schmidt und Ignaz Semmelweis? Des Rätsels Lösung: So wie wir auf der Körperebene vor Krankheitserregern durch unsere körpereigene Abwehr geschützt sind, so können wir uns auch auf der seelischen Ebene gegen die zerstörenden Einflüsse jener Typen schützen, die uns ans geistige Leder wollen. Diesen seelischen Schutz kann man sich vorstellen wie ein für unsere Augen unsichtbares Moskitonetz, das die krankmachenden, geistigen Impulse jener missgünstigen Charaktere abfängt und neutralisiert, bevor sie Schaden anrichten können. Helmut Schmidt zeigt bis heute, wie Menschen aussehen und wirken, bei denen dieses energetische Moskitonetz intakt ist: Ihnen kann keiner was ...

Wenn ein Mensch jedoch immer wieder zum Mobbingopfer wird, so ist dies ein Hinweis darauf, dass sein geistiger Schutz gestört ist. Sein unsichtbares Moskitonetz ist defekt und kann nicht mehr richtig arbeiten, vergleichbar mit einem chronisch kranken Bronchitispatienten, dessen körpereigene Abwehr nicht mehr so wirkt, wie sie es eigentlich sollte, um gesund zu bleiben.

Die Macht der geistigen Trägheit, der Dummheit und der starrsinnigen Rechthaberei darf nicht unterschätzt oder gar schöngeredet werden. Wo sie in unseren geistigen Moskitonetzen auch nur den geringsten Durchlass findet, dringt sie erbarmungslos ein. Das passiert nicht nur bei uns »Kleinen«. Auch bei »denen da oben«, bei Menschen in höchsten Würden und Machtpositionen, beobachten wir immer wieder, wie manche von ihnen zu Fall gebracht werden, weil sie möglicherweise reger, aktiver, neugieriger, schlauer oder weiter sind. Das passt oft nicht ins Konzept der Missgünstigen, und deswegen müssen die lästigen Freidenker weg. Bei manchen gelingt dies schneller als bei jenen anderen, die entweder stehen bleiben oder nur mit Mühe zu Boden gezwungen werden können, je nach Zustand ihres geistigen Moskitonetzes.

Was also soll man tun, um seinen Selbstschutz wieder zu aktivieren? Hier gibt es kein Glück und auch kein Pech, sondern nur Ursache und Wirkung. Die Macht, die uns durch Mobbing zu Boden geworfen hat, ist dieselbe, die uns in unserem eigens zugedachten Wirkungs- und Aufgabenbereich zu einem Helmut Schmidt werden lassen kann. Es ist nur eine Frage der Lenkung.

Diese Macht ist mit dem Feuer vergleichbar. Das kann, richtig gelenkt, im Winter unser Haus wärmen, unser Auto zum Fahren, unseren Flieger zum Fliegen bringen. Doch außer Kontrolle geraten kann es eine ganze Stadt, ein ganzes Land und im schlimmsten Fall die ganze Erde vernichten. Egal, wie sehr uns ein Mobbing niedergeworfen hat, es wird immer an unserer Einstellung liegen, ob wir daran zu Grunde gehen oder wieder hochkommen und unverdrossen nach Wegen ausschauen, wie wir uns gegenüber diesem nur scheinbar unüberwindbaren Wall von Trägheit, Dummheit und Starrsinn behaupten und durchsetzen.

Entweder mit resigniertem »Da kann man nichts machen« oder mit zuversichtlichem »Der Klügere gibt nach – aber nicht auf«.

Doch wen es so richtig erwischt hat, der wird sich an solchen Sprüchen nicht erbauen können. Ihm wären wohl genauere Anweisungen lieber, wie er sich am elegantesten aus dieser Situation befreien könnte. Wenn solche Pauschalanweisungen denn nur möglich wären. Das verhindert nämlich allein schon die bunte Vielfalt der einzelnen Situationen. In einer Situation mag es das einzig Richtige sein, auf den Tisch zu hauen und zu brüllen, dass die Scheiben klirren. In einer anderen, »klug wie die Schlangen« zu sein: sich für den Widersacher unsichtbar zu machen und auf die richtige Gelegenheit lauern, ihm seinen Biss zu verpassen. In wieder anderen Situationen kommt man weiter, in dem man sich bieder stellt wie der Igel im Märchen, der den aufgeblasenen Hasen zum Wettlauf anstiftete und ihn dabei so einseifte, dass ihm seine Angeberei für alle Zeiten verging. Hier mag es das Beste sein, sich erst mal tot zu stellen bis auf Weiteres und dort gleich Reißaus zu nehmen.

Patentrezepte, die gibt es nicht. Das Pferd muss anders aufgezäumt werden: Egal, ob ich mir all jene Mobbingopfer vergegenwärtige, mit denen ich persönlich zu tun hatte, oder mir die prominenten Verlierer anschaue wie Guttenberg, Jörg Kachelmann und vielleicht auch Wulff; bei ausnahmslos allen sehe ich immer nur ein und denselben Fehler: Sie alle haben ihre Gegner falsch eingeschätzt und sind auf ihre Gutmensch- oder Dummstell-Maskerade hereingefallen. Sei es, dass sie ihre Gegenspieler für dümmer hielten als diese sind, oder dass sie für ihre Ideale und ihre gute Sache so glühten, dass sie die Missgunst und Unlauterkeit um sich herum gar nicht erst wahrnahmen. Mit solchen Geisteshaltungen schafft man die besten Voraussetzungen, um das energetische Moskitonetz, von dem ich oben sprach, zu zerreißen.

Geschickter sind die Menschen, zu denen ich auch Helmut Schmidt zähle; doch auch andere wie Hans-Dietrich Genscher oder Konrad Adenauer. Man mag von ihnen halten, was man will, etwas macht sie stark: nämlich ihre Fähigkeit, einerseits für ihre Ideale zu brennen wie ein Franz von Assisi, aber gleichzeitig mit scharfem Blick auch die Schnödigkeit der Welt im Auge zu behalten.

Denn die kann man ja nun wirklich nicht wegdiskutieren. Das Schicksal von Semmelweis und x anderen ungenannten Seelen, denen es ähnlich erging, zeigt doch mehr als deutlich, zu was die ewig Gestrigen fähig sein können. Dumm wie Stroh mögen sie ja sein. Doch wenn es ihnen darum geht, einen für ihre Begriffe unbequemen Zeitgenossen ruhig zu stellen, können sie eine Kreativität entfalten, dass man neidisch werden könnte. Schmidt und Co. wissen das sehr genau. Dem gemäß haben Sie die Fähigkeit entwickelt, in tiefer Erfüllung ihren Idealen nachzugehen, aber gleichzeitig die Nase so im Wind zu halten, dass sie verborgenes Ungemach rechtzeitig aufspüren. Das ist das Geheimnis dieser Leute, dass ihnen keiner kann. So halten sie ihr energetisches Moskitonetz intakt.

Doch diese Fähigkeit sehe ich nicht nur bei Promis. Mein Vater, ein einfacher Schmied, konnte das auch und in hohem Maße, auch mein Großvater, ein Bergmann. Sie lebten es mir vor. Doch ich wollte ihnen lange nicht glauben. Heute weiß ich, wie recht sie hatten. Ich bin überzeugt, dass jeder von uns diese Fähigkeit in sich hat. Sie braucht nur trainiert zu werden wie ein unterentwickelter Muskel. Und dazu muss ein Jeder selber bereit sein. Andere können nur als Vorbilder dienen, doch diese Fähigkeit in uns zu fördern, sie wachsen zu lassen und sie zu leben, das ist allein unser Ding.

http://info.kopp-verlag.de/neue-weltbild...etzen-kann.html

 
Dennis
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