16.09.09 Fachtagung Interkulturelle Elternbildung

#1 von Dennis , 16.09.2009 18:48

Fachtagung Interkulturelle Elternbildung am 16.09.09

Zur Fachtagung Elternarbeit für Kinder mit Migrationshintergrund hat heute die Langenfelder Elternschule Fachkräfte eingeladen, die in der Elternarbeit tätig sind. Es meldeten sich ca. 100 Personen an. Ich habe von den angebotenen 13 Veranstaltungen, die viergliedrig abgehalten wurden, vier besucht.

Im ersten Vortrag referierte Timur Bozkir von der RAA Aachen über das Thema "Elternarbeit - Die Väter mit begeistern." In NRW gibt es 27 Niederlassungen der RAA, Haupsitz ist in Essen. Anders als Migrantinnen lassen sich Migranten schwieriger für Erziehung und Bildung motivieren. Bei deutschen Männern sei die Diskrepanz nicht so auffällig. Daher stellte er Aktionen vor, bei denen im Gespräch auch Erziehungsfragen geklärt werden könnten. So veranstaltete er in seinem Tätigkeitsfeld ein Fussballturnier. Väter konnten sich als Trainer für die Kinder eintragen. Es meldeten sich deutlich mehr Männer als erforderlich waren und das Turnier und die Trainingseinheiten wurden akribisch geplant und durchgeführt. Das Turnier sahen 1500 Zuschauer. Eine Aktion die eher schleppend anläuft ist der Vater-Kind-Legotag, den er an Samstagen von 11 bis 13 Uhr veranstaltet. Aber wenn alle aufgetaut sind stellen oft die Väter fest, daß sie sich zukünftig mehr Zeit für die Kinder nehmen möchten. Problematisch ist ein Zeltwochenende mit Migranten. Dies funktioniert und alle gehen auch zufrieden nach Hause, aber im Vorfeld gilt es doch, erhebliche Zweifel auszuräumen. Andere Beispiele: Drachen basteln, Malen auf Leinwand, Kinderchor.

Migranten aus unterschiedlichen Kulturen sind oft an Kulturvereine, Ausländergruppen, -Cafes oder Moscheevereine angebunden und es ist hilfreich, wenn man diese Kulturvereine nutzt, um zu den Vätern Kontakt aufzunehmen. Leider sind viele Professionen schlecht informiert. So wird manchmal die Muttersprache als störend empfunden, während es für die Eltern oft die einzige Möglichkeit ist, mit ihren Kindern über Gefühle zu reden. Ein Arzt sagte mal einer Mutter bei der U-Untersuchung, ob sie wieder zurück in die Türkei wolle, weil sie mit ihrem Kind türkisch sprach.

Im zweiten Vortrag stelte Livia Daveri von der RAA Essen die Projekte "Griffbereit" und "Rucksack" zur Sprachförderung vor. Griffbereit ist Familienbildung mit Eltern und Kindern mit und ohne Migrationshintergrund im Kindergarten. Die Gruppe trifft sich wöchentlich für 90 Minuten und die Eltern, wobei mit Eltern stets Mütter gemeint sind, nehmen vorbereitete Unterlagen in ihrer Landessprache mit nach Hause und können dort mit den Kindern die Aufgaben nachbearbeiten. Griffbereit richtet sich an Kinder von 1 bis 3 Jahren, Rucksack an Kinder von 4 bis 6 Jahren, wobei die Gruppen im Kindergarten beim Rucksackprojekt ohne Kinder stattfinden. Beide Projekte wurden noch nicht für Väter angeboten.

Im Hauptvortrag referierte Elke Schlösser über das Thema "Eine gute Mutter, ein guter Vater sein - Was ist das? Von Rollenbildern und Anspruchsdenken." Elke Schlösser hat schon mit 21 Jahren im Jugendamt gearbeitet und fühlte sich bei dieser Arbeit oft überfordert. Sie lies sich durch das Buch "Familienkonferenz" von Thomas Gordon inspirieren und geht seitdem neue Wege, der Familie Hilfen anzubieten. In ihrer Arbeit in Kitas erarbeitet sie mit den Eltern gemeinsam Erziehungsziele und wie man dort hin kommt. Die Eltern erarbeiten gemeinsam, Was sollte ein guter Vater/ eine gute Mutter sein? Was sollte ein guter Vater/ eine gute Mutter vermeiden? Die Kindergärten motiviert sie über einen Referentenpool. Sie hat 168 Kitas in ihrem Kreis angeschrieben, konkrete Referenten und Themen benannt und beschrieben, und die Kitas gefragt, welchen Referenten sie zu ihrer nächsten Elterversammlung einladen möchten und wann diese stattfindet. So fanden im Laufe eines Jahres 55 Veranstaltungen statt.

Den letzten Vortrag hielt Inge Nowak über das Thema "Niedrigschwellige Angebote und Bildung - passt das zusammen?" Ihre Organisation Mo.Ki erarbeitet durch die Bindung zu den Eltern eine Vertrauensbasis. Sie unterscheidet zwischen der selbstorganisierten Familie, der unsicheren Familie und der Risikofamilie. Aus Elternarbeit mit bildungsfernen Familien mit Unterstützungsbedarf entwickelte sich die Zusammenarbeit mit den Eltern. Kontakte findet sie über die Vernetzung. Dadurch entwickeln sich Multiplikatoren und es entstehen Veranstaltungen wie der Interkulturelle Fraueninfotreff, Elterncafe in Kita und Schule, Familientische, Kursangebote in den Familienzentren. Fachkräfte, die Hausbesuche durchführen, geben ebenfalls die Kontakte weiter. Ein Konzept ähnlich der Tupperparty, wo man sich im privaten Haushalt trifft, setzte sich nicht durch. Für den Erfahrungsaustausch ist ein neutrales Umfeld geeigneter. Sportvereine haben heutzutage ein wirtschaftliches Interesse, Fördermaßnahmen aufzugreifen, um neue Zielgruppen zu erschliessen. Das Motto von Mo.Ki lautet: "Stärken stärken, Schwächen schwächen". Danach zeigte sie noch ein paar Filme über die sehr aufwändige Elternarbeit im freien Spiel des Kindes mit Videounterstützung.

Die Veranstaltung endete pünktlich um 17.15 Uhr.

 
Dennis
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